Bonding – Die Eltern-Kind-Bindung entstehen lassen

Bonding - Eltern-Kind-Bindung fördern

Dein Baby wird geboren, du schließt es in den Arm und ihr beide steht am Beginn einer einzigartigen Beziehung. Um diese intensivste aller Bindungen mit unserem Kind eingehen zu können, hat uns die Natur glücklicherweise gut ausgestattet. Doch es geschieht nicht von einer Sekunde auf die andere. Es ist ein Prozess, den man Bonding nennt.

 

Was ist Bonding?

 

Auf die besondere Bindung von Mutter und Kind ist John Bowlby schon seit den 40er Jahren mit den Thesen seiner Bindungstheorie eingegangen. Demnach ist es ein angeborenes Verlangen des Babys, sich nach seiner Geburt intensive Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Instinktiv sucht es nach Schutz, Wärme und Geborgenheit.

Es findet das alles zunächst bei dir als Mutter. Du förderst das Bonding mit deinem Baby, indem du seinen Bedürfnissen ungeteilte Aufmerksamkeit schenkst. Glückt der Aufbau dieser für das Leben so wichtigen Mutter-Kind-Bindung, beeinflusst dies das gesamte Leben positiv.

 

Warum ist es so wichtig?

 

Für dein Kind ist der Aufbau dieser vertrauensvollen Bindung zu dir lebenswichtig. Das hilflose kleine Wesen brauch den Schutz und die Fürsorge einer Bezugsperson. Während dein Baby mit dir bondet, entwickelt es ein Urvertrauen in das Leben und die Welt – was zu einem stabilen Ausgangspunkt für seine weitere Entwicklung führt.

Für dich bedeutet ein geglücktes Bonding mit deinem Baby, dass du dich in deiner neuen Rolle als Mutter besser zurechtfindest. Als Vertraute bietest du deinem Kind Orientierung und Sicherheit. Glücklicherweise hat dich die Natur mit einem wundervollen Mechanismus ausgestattet: der Ausschüttung von Oxytocin. Dieses im Gehirn produzierte Hormon sorgt dafür, dass du dich emotional zu deinem Kind hingezogen fühlst. Gerade in der ersten Zeit mit deinem Baby ist der Oxytocin-Spiegel besonders hoch.
Oxytocin Kuschelhormon

 

Bonding in der Schwangerschaft

 

Die Beziehung von Mutter und Kind beginnt schon, wenn das Leben gerade erst entsteht. Spätestens wenn du die ersten Kindsbewegungen bewusst wahrnimmst, reagierst du auf sie. Viele Mütter sprechen mit dem Ungeborenen oder legen die Hand an der Stelle auf den Bauch, an der sie eben noch einen kleinen Tritt gespürt haben. So wird bereits vor der Geburt der Prozess des Bondings gestartet.

 

Bonding direkt nach der Geburt

 

Gut ausgebildete Geburtshelfer werden dich in den ersten Stunden nach der Geburt beim Bonding unterstützen. Hierzu wird das nackte Baby unmittelbar nach der Entbindung auf deine nackte Brust gelegt. Der warme, weiche Hautkontakt ist für euch beide ein Meilenstein des Bondings.

Damit dir auch genügend Zeit bleibt, eine positive Mutter-Kind-Bindung aufzubauen, sollte dein Baby in den ersten Stunden nach der Geburt und den folgenden Tagen so lange wie möglich an deiner Seite sein.

 

Wie funktioniert Bonding?

 

Erfolgreiches Bonding funktioniert über Nähe und Zeit. Nehmt euch Zeit zum Kuscheln, Zeit zum Tragen, Zeit zum Kommunizieren. Da darf die Wäsche ruhig mal liegen bleiben, wenn ihr stattdessen einen Vormittag gemeinsam auf der Couch verbringt.

Tragehilfen sind ganz hervorragend geeignet beim Bonding. Babys lieben Körperkontakt, denn so fühlen sie sich geborgen und beschützt. Ein Tragetuch oder eine andere Babytrage machen diese Zweisamkeit zu einer wenig anstrengenden Angelegenheit.

Während du dein Baby stillst oder das Fläschchen gibst, ermöglichst du ihm auf ganz natürliche Art, mit dir eine Bindung einzugehen: Du bietest ihm Nähe und gleichzeitig wird ein weiteres Grundbedürfnis befriedigt.

 

Wie lange dauert Bonding?

 

Nach der Geburt intensiviert sich die Beziehung zu deinem Baby schlagartig. Für das Bonding sind diese ersten Stunden eine sehr sensible Phase, denn beide Seiten werden von ihren Gefühlen praktisch überrollt. Gute Geburtskliniken und Hebammen räumen der ersten Phase der Zweisamkeit deshalb auch ausreichend Zeit ein, bevor das Baby zum Waschen und Anziehen kurz von der Mutter getrennt wird. Wenn es für zwei Stunden mit nackter Haut auf dem Oberkörper von Mama kuscheln darf, ist das der ideale Start ins Leben.

Doch der Bindungsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Auch in den Tagen, Wochen und Monaten nach der Geburt wird fleißig weiter gebondet. Beim Stillen, Tragen, Wickeln und jedes Mal, wenn du dich deinem Kind zuwendest, verstärkst du die Mutter-Kind-Bindung.

 

Re-Bonding ist möglich

 

Manchmal beeinflussen besondere Umstände oder unvorhersehbare Probleme die erste Zeit mit deinem Baby. Wenn du etwa per Kaiserschnitt entbunden hast oder das Kind zu früh zur Welt kam und erst einmal medizinisch versorgt werden muss, ist Bonding eben erst später möglich. Hebammen empfehlen in diesen Fällen gerne, die verpasste Zeit nachzuholen, sobald Mutter und Kind dafür bereit sind. Beim sogenannten Re-Bonding wird die Situation nach der Geburt in gewisser Weise nachgespielt. Nach dem Bad legst du dein Baby mit nackter, nasser Haut zu dir auf den Oberkörper. Und dann wird ausgiebig gekuschelt.

Diese Methode eignet sich auch hervorragend für das Bonding mit dem Papa, sollte das schöne Erlebnis der Geburt von Krankheit oder Tod der Mutter überschattet werden.

 

Wie kann ich Bonding fördern?

 

Es gibt auch Fälle, in denen du nicht die erste Bezugsperson bis, etwa wenn du ein Kind adoptierst. Dann hat das Kind je nach Ausgangslage die ersten Stunden oder Tage mit anderen oder gar keinen Bezugspersonen verbracht. Ein gezieltes Bonding hat entsprechend oberste Priorität, sobald das Kind bei dir ist. Dann sollte gekuschelt, getragen und interagiert werden, was das Zeug hält.

So können auch weitere Bezugspersonen wie Großeltern oder Geschwister leicht eine Beziehung zu deinem Baby aufbauen.

 

Mythen

 

Falsche Vorstellungen und Vorurteile halten sich wie in vielen Bereichen auch beim Bonding oft hartnäckig.

Lass dich aber nicht verunsichern, wenn du zum Beispiel mit Kaiserschnitt entbunden hast. Du kannst die fehlende Zeit nachholen und euch beiden ein intensives Bonding ermöglichen.

Auch wenn das Stillen nicht funktioniert, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Wenn du deinem Baby mit derselben Zuwendung die Babyflasche gibst, fördert das eure Beziehung ebenso. Wie sonst sollte jemals der Papa mit eurem Kind bonden können?

Du solltest auch Bonding nicht verwechseln mit übertriebener Fürsorge, wie einfühlsamen Müttern leider noch häufig von der älteren Generation suggeriert wird. Indem du auf die Grundbedürfnisse deines Kindes nach Wärme, Liebe und Geborgenheit eingehst, kann du es in dieser frühen Phase des Lebens nicht zu sehr verwöhnen.

 

Fazit: Vertraue dir und deinem Baby!

 

Ein geglücktes Bonding mit deinem Kind ist das A und O in seiner Entwicklung. Hier wird der Grundstein gelegt für euer Zusammenleben und das Vertrauen des Kindes in die Welt. Eure Eltern-Kind-Beziehung lässt sich vielfältig fördern und benötigt intensiv genutzte Zeit, um zu reifen. Und wenn du dich auf deine Instinkte verlässt, wirst du das Bonding mit deinem Baby sicher hervorragend meistern.

 

Über Anna 39 Artikel
Hi, mein Name ist Anna. Ich gehöre zum Autoren Team, welches dich zu allen Themen rund um Baby, Kind und Familie begleitet. Als erfahrene Mutter von zwei Kindern weiß ich genau wie schwierig der Alltag sein kann. Deshalb möchte ich dir hier auf babysicherheit24.de meine Erfahrung zur Verfügung stellen!