Kindersitz Gruppe 1: der alte Name für die Kleinkind-Sitze
Die Gruppe 1 stand in der alten Norm R44 für Sitze von 9 bis 18 Kilogramm, also etwa vom ersten bis zum vierten Geburtstag. Seit dem 1. September 2024 werden keine neuen R44-Sitze mehr verkauft, heute übernehmen i-Size-Sitze nach UN R129 diesen Bereich, geordnet nach Körpergröße von 61 beziehungsweise 76 bis 105 Zentimetern, und die wichtigste Empfehlung lautet: so lange wie möglich rückwärts, der ADAC nennt mindestens zwei Jahre.
Keine Zeit? Die Sitze der Phase 1 im Überblick
Die grüne Einordnung beim Cybex gibt das belegte Testurteil der Stiftung Warentest wieder, die übrigen Einordnungen sind unsere redaktionelle Auswahl. Alle Eckdaten stammen aus den Herstellerunterlagen, wir prüfen selbst nicht. Details stehen im jeweiligen Bericht.
In Kürze
Wer heute einen Kindersitz der Gruppe 1 sucht, wählt einen i-Size-Sitz nach UN R129 für den Bereich bis 105 Zentimeter, montiert mit Isofix und Stützfuß oder Top-Tether. Die Fachempfehlung ist eindeutig: Der ADAC empfiehlt, Kinder mindestens bis zum Alter von zwei Jahren rückwärtsgerichtet zu fahren, die Norm erlaubt vorwärts frühestens ab 76 Zentimetern und 15 Monaten, und die Zulassung der Sitze trägt die Rückwärtsposition bis 105 Zentimeter. Reine Kleinkindsitze wie Cybex und Graco sind in dieser Phase die Spezialisten, mitwachsende 40-150-Sitze sparen den Folgekauf. Ein vorhandener R44-Gruppe-1-Sitz darf weitergefahren werden, solange er passt und unbeschädigt ist, neu gekauft wird nach R129.
Warum rückwärts länger schützt
Der Grund für die Reboarder-Empfehlung ist Anatomie: Bei Kleinkindern ist der Kopf im Verhältnis zum Körper schwer und die Nackenmuskulatur schwach. Beim Frontalaufprall, der häufigsten und schwersten Unfallart, hält ein rückwärtsgerichteter Sitz Kopf, Nacken und Wirbelsäule als Ganzes in der Schale, statt den Kopf nach vorn schleudern zu lassen, deshalb gilt: rückwärts so lange wie möglich.
Die Norm setzt dafür Untergrenzen: Vorwärtsgerichtet fahren ist nach R129 frühestens ab 76 Zentimetern und 15 Monaten zulässig, gute Sitze wie der Graco sperren die Drehung vorher mechanisch. Die Empfehlung geht weiter als die Pflicht: Der ADAC rät, Kinder mindestens bis zum Alter von zwei Jahren rückwärtsgerichtet zu transportieren, die Zulassung moderner Reboarder trägt bis 105 Zentimeter, also etwa bis zum vierten Geburtstag, und die Beinfreiheit ist dabei kein Sicherheitsproblem, Kinder sitzen mit angewinkelten Beinen bequem.
Der 360-Grad-Drehmechanismus hat diese lange Reboard-Zeit alltagstauglich gemacht: Zum Ein- und Aussteigen dreht der Sitz zur Tür, zum Fahren zurück nach hinten, das schont Elternrücken und Kindergeduld gleichermaßen.
Die Grundlagen zur Sitzwahl nach Körpergröße stehen im Beitrag Kindersitz, die Anschlussstufen behandeln die Beiträge Kindersitz Gruppe 3 und Sitzerhöhung.
Einbau und Alltag: die häufigsten Fehler vermeiden
Isofix richtig nutzen: Beide Konnektoren müssen hörbar einrasten und die Indikatoren auf Grün stehen, der Stützfuß steht fest auf dem Fahrzeugboden, nicht auf einem Staufachdeckel, und der Top-Tether wird am dafür vorgesehenen Punkt eingehängt, nicht an der Kopfstütze. Die Freigabeliste des Sitzherstellers klärt, welche Fahrzeuge passen.
Der Gurt am Kind: Der 5-Punkt-Gurt liegt straff und laut ADAC immer direkt am Körper an, die Schultergurte starten auf Schulterhöhe, und dicke Winterjacken kommen vor dem Anschnallen aus, die Polsterung schafft gefährlichen Gurtspielraum, gewärmt wird mit einer Decke über dem geschlossenen Gurt.
Die Sitzposition: Für den Reboarder ist die Rückbank der Standardplatz. Auf Beifahrerplätzen mit betriebsbereitem Frontairbag dürfen rückwärtsgerichtete Sitze nicht angebracht sein (§ 35a Abs. 8 StVZO), zulässig ist der Platz vorn nur mit deaktiviertem Airbag, im Zweifel bleibt das Kind hinten.
Beim Umstieg gilt die Reihenfolge der Grenzen: Gewechselt wird, wenn Kopf oder Gewicht die Herstellergrenze erreichen, nicht wenn das Kind quengelt, und nach jedem Unfall wird der Sitz ersetzt, auch ohne sichtbaren Schaden. Gebrauchte Sitze ohne bekannte Geschichte bleiben tabu.
Die drei Sitze im Detail
Mit belegtem Testurteil: Cybex Sirona Gi i-Size Plus
- Bis zu 50% mehr Sicherheit, Onboarding schnell und einfach, Optimale Atmungsaktivität, Wächst bis...
- Bester seiner Klasse: Kindersitz bei Stiftung Warentest 06/2024 mit Note gut (Lizenz: 24PP34), Für...
- Maximale Sicherheit durch rückwärtsgerichtetes Fahren, Integrierter Seitenaufprallschutz (L.S.P...
- Leichte, rückenschonende Ein- und Ausstiegsposition durch 360° Drehmechanismus, 12-fach...
- 360° Luftzirkulation mit Mesh-Einsätzen und Belüftungskanälen für optimale Atmungsaktivität...
Der Sirona Gi ist der klassische Gruppe-1-Nachfolger mit Beleg: zugelassen nach UN R129/03 für 61 bis 105 Zentimeter (ab 40 Zentimetern mit Neugeboreneneinlage, maximal 20 Kilogramm). Stiftung Warentest bewertete den Sirona Gi i-Size im Heft test 06/2024, dem gemeinsamen Kindersitztest mit dem ADAC, mit gut (2,2).
Gefahren wird bevorzugt rückwärtsgerichtet mit Stützfuß und integriertem L.S.P.-Seitenaufprallschutz, der 360-Grad-Drehmechanismus bringt das Kind rückenschonend in den Sitz, die Kopfstütze wächst über 12 Stufen mit.
Die Base ist integriert und rastet per Ein-Klick-Isofix ein, Mesh-Einsätze und Belüftungskanäle halten den Sitz laut Cybex atmungsaktiv, verstellt wird Sitz- und Liegeposition mit einer Hand.
Nicht passend, wenn der Sitz bis zum Ende der Kindersitzpflicht reichen soll, bei 105 Zentimetern ist Schluss, dann folgt ein Sitz für 100 bis 150 Zentimeter, den Langstrecken-Ansatz fährt der Osann.
Vor- und Nachteile:
- UN R129/03 in den Produktdaten belegt
- Stiftung Warentest, test 06/2024: gut (2,2)
- Rückwärts bis 105 cm mit Stützfuß
- 360-Grad-Drehung, 12-fach-Kopfstütze
- Seitenaufprallschutz L.S.P.
- Endet bei 105 cm, Folgesitz nötig
- Mit 13 kg kein Wechselsitz
Rückwärts mit System: Graco Turn2Me DLX
- RUNDUM EASY UNTERWEGS: Lässt sich mit nur einer Hand in alle Richtungen drehen. Das ermöglicht ein...
- INTEGRIERTER RÜCKPRALLBÜGEL: Der Rückprallbügel reduziert die Bewegung des Kindersitzes nach...
- LÄNGER RÜCKWÄRTS: Integrierte Drehsperre erinnert euch daran, nicht vor 75 cm und mind...
- EXTRA SICHERHEIT: Einsteckbares TrueShield Seitenaufprallschutzelement. Im Falle eines Aufpralls...
Der Turn2Me ist nach R129 als i-Size-Sitz für 40 bis 105 Zentimeter zugelassen und nimmt Eltern eine typische Fehlbedienung ab: Eine integrierte Drehsperre erinnert daran, nicht vor 75 Zentimetern und 15 Monaten vorwärtsgerichtet zu fahren.
Der integrierte Rückprallbügel reduziert laut Graco die Sitzbewegung nach einem Aufprall um bis zu 40 Prozent und schafft rückwärtsgerichtet mehr Beinfreiheit, das einsteckbare TrueShield-Element verstärkt den Seitenaufprallschutz.
Gedreht wird mit einer Hand in alle Richtungen, das erleichtert Ein- und Ausstieg und den Wechsel der Fahrtrichtung, genutzt wird rückwärts bis 105 Zentimeter, also etwa bis zum vierten Geburtstag.
Nicht passend, wenn ein Sitz über 105 Zentimeter hinaus gesucht wird, auch der Graco ist ein reiner Kleinkindsitz, die 40-150-Spanne deckt der Osann ab.
Vor- und Nachteile:
- R129 und i-Size in den Produktdaten belegt
- Drehsperre gegen zu frühes Vorwärtsfahren
- Rückprallbügel, TrueShield-Seitenschutz
- Einhand-Drehung in alle Richtungen
- Endet bei 105 cm
- Mit 13,5 kg der schwerste der Auswahl
Von 40 bis 150 Zentimeter: Osann Eno360 S 2
- MITWACHSENDER KINDERSITZ– Der i-Size Auto-Kindersitz ist für Kinder von 40 bis 150 cm geeignet...
- 360° DREHBAR FÜR EINFACHES EINSTEIGEN – Die praktische Drehfunktion erleichtert das Hineinsetzen...
- SICHER RÜCKWÄRTSGERICHTET UNTERWEGS – Als Reboarder mit Isofix ist der Sitz bis 105 cm...
- HOHER KOMFORT AUF JEDER FAHRT – Die ergonomische Sitzfläche, weich gepolsterte Gurte und die...
- CLEVER UND STABIL INSTALLIERT – Der Kindersitz mit Isofix und Top-Tether wird in den ersten...
Der Eno360 ist der Ein-Sitz-für-alles-Ansatz: i-Size-zugelassen von 40 bis 150 Zentimetern, rückwärtsgerichtet bis 105 Zentimeter, vorwärts ab 76 Zentimetern und frühestens einem Jahr, und am Ende fährt er als Sitz für Schulkinder weiter.
In den ersten Jahren halten Isofix und Top-Tether den Sitz, später übernimmt der 3-Punkt-Gurt des Autos, der Seitenaufprallschutz arbeitet mit ausklappbaren Protektoren, gesichert wird das Kleinkind im 5-Punkt-Gurt.
Die 360-Grad-Drehung erleichtert das Einsteigen, ergonomische Sitzfläche und Gurtpolster tragen lange Fahrten, mit 11,4 Kilogramm ist er der leichteste der drei.
Nicht passend, wenn maximale Spezialisierung auf die Kleinkindphase zählt, mitwachsende Alleskönner sind in jeder Phase ein Kompromiss gegenüber dem reinen Reboarder, das ist die ehrliche Kehrseite der langen Spanne.
Vor- und Nachteile:
- i-Size in den Produktdaten belegt
- Eine Anschaffung von 40 bis 150 cm
- Reboard bis 105 cm, vorwärts ab 76 cm
- Isofix plus Top-Tether, später Gurtmontage
- Alleskönner-Kompromiss je Phase
- Vorwärts erst ab 76 cm und 1 Jahr
Fazit
Unsere Empfehlung auf dieser Seite ist Cybex Sirona Gi i-Size Plus mit der Fundstelle Gut (2,2) bei Stiftung Warentest 06/2024. Daneben stehen Graco Turn2Me DLX i-Size als Tipp mit Drehsperre und Osann Eno360 S 2 als Tipp zum Mitwachsen. Welches Modell passt, hängt vom Einsatz ab, der Sicherheitshinweis weiter oben gilt für alle gleichermaßen.
Quellen
- UN R129 (i-Size): Ordnung nach Körpergröße, vorwärts frühestens ab 76 cm und 15 Monaten, Reboard bis 105 cm; Verkaufsverbot für R44-Sitze seit September 2024, derzeit kein Verwendungsverbot für Bestandssitze. Fundstellen: ADAC, Ratgeber „i-Size und UN ECE Reg. 44: Welche Kindersitznormen sind erlaubt?“ (Stand 02.10.2025) und Kindersitzberater „Reboarder“ (Stand 10.06.2026, Empfehlung: rückwärts bis mindestens zwei Jahre), abgerufen am 01.08.2026.
- Stiftung Warentest, test 06/2024 (Autokindersitze, gemeinsamer Test mit dem ADAC, online 21.05.2024, abgerufen am 01.08.2026 auf test.de): Cybex Sirona Gi i-Size gut (2,2).
- Airbag-Regel: § 35a Abs. 8 StVZO (gesetze-im-internet.de, abgerufen am 01.08.2026): Auf Beifahrerplätzen, vor denen ein betriebsbereiter Airbag eingebaut ist, dürfen nach hinten gerichtete Rückhalteeinrichtungen für Kinder nicht angebracht sein.
- Anschnallen ohne dicke Jacke: ADAC, Ratgeber/Crashtest „Winterjacke im Auto“, Stand 2025, abgerufen am 01.08.2026: Der Sicherheitsgurt sollte immer direkt am Körper anliegen; Kind ohne dicke Jacke angurten, danach eine Decke überlegen.
- Herstellerangaben zu Zulassung, Größenbereichen, Drehsperren und Schutzsystemen, Stand 02.08.2026: Cybex 524001459, Graco GC2302AAMDN000, Osann Eno360 S 2.
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Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links
[1] https://www.adac.de/verkehr/verkehrssicherheit/kindersicherheit/kindersitzberater/kindersitz-beifahrersitz/ [2] https://www.adac.de/verkehr/verkehrssicherheit/kindersicherheit/kindersitzberater/kindersitzpflicht/ [3] https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__21.html [4] https://udv.de/de/publikationen/unfallforschung-kompakt/verwendung-kinderschutzsystemen [5] https://udv.de/de/publikationen/forschungsberichte/studie-zur-verwendung-kinderschutzsystemen-0 [6] https://udv.de/de/medien/mitteilungen/schwere-maengel-kindersicherung-im-auto [7] https://www.adac.de/verkehr/verkehrssicherheit/kindersicherheit/kindersitzberater/kindersitze-wie-alt/ [8] https://www.test.de/Autokindersitze-im-Test-1806826-detail/suche/2015271!IC15034-0435-00/?origin=List



